Sexuelle (Un)Freiheit in der Geschichte
Im Schatten von Pride Parades und #MeToo weist unsere Generation eine tiefe Ambivalenz in Fragen sexueller Freiheit auf: Die neue Vorliebe für Sex ohne feste Beziehungen – ob als Grindr-Hook-Up oder polyamore Situationship – geht einher mit einer auffälligen Abneigung gegen die eigene sexuelle Aktivität, welche nach Jahrzehnten des Rückgangs in der Generation Z ihren historischen Tiefstand erreicht hat. In der bürgerlichen Liebesehe hatten sich Erotik, Sex und Familie kurzzeitig die Hand gereicht. Doch seitdem die bürgerliche Gesellschaft mit dem Kapitalismus in die Krise gekommen ist, kriselt es auch im Ehebett. Sozialisten wie Charles Fourrier und August Bebel sahen die einzige Möglichkeit für sexuelle Befreiung in der sozialistischen Revolution. Nach ihrem Scheitern inspirierte Herbert Marcuse die 68er-Generation, in der freien Liebe auch eine Neue Linke zu begründen, deren Errungenschaften unsere Ausgangssituation schufen.
Im Teach-In fragen wir, was sexuelle Befreiung mit der Geschichte der Linken zu tun hat: Seit wann sind Menschen homosexuell und transidentitär? Gibt es überhaupt noch einen Kampf für sexuelle Befreiung? Warum fürchten wir uns vor der Liebe und ihrem höchsten Ausdruck?